29.07.2017

Freisprechungsfeier: 14 Gesellen klopfen auf Holz

Innungen sprechen drei Schreiner und elf Zimmerer frei – Digitalisierung auch im Handwerk ein großes Thema

Die frischgebackenen Gesellen erhielten von den Innungsobermeistern der Schreiner, Karl-Heinz Pledl (hinten re.), und der Zimmerer, Anton Schiller (hinten li.), ihre Gesellenbriefe. − Foto: Thomas Stangl

(Regen) "Lehrjahre sind keine Herrenjahre". Deswegen wird der Abschluss der Lehrlinge gebührend gefeiert: 14 Auszubildende im Schreiner- und Zimmerer- Handwerk haben in den Räumlichkeiten der AOK Regen ihren Gesellenbrief erhalten. Die Schreinerinnung Regen sowie die Zimmererinnung Regen-Viechtach-Grafenau hatten zur Freisprechungsfeier eingeladen.

"Mit dem Gesellenbrief haben Sie sich für ihr zukünftiges berufliches Leben qualifiziert", stellte Karl-Heinz Pledl fest, Obermeister der Schreinerinnung. "Sie sind nun Fachkräfte im Handwerk mit sehr guten Perspektiven." Das Bau- und Ausbau-Handwerk könne sich über eine gute Auftragsentwicklung freuen, so der Obermeister. Der Bürgermeister der Gemeinde Drachselsried, Hans Hutter, fügt hinzu, dass das Handwerk ein wichtiger Faktor in der Marktwirtschaft sei. "Liebe Junghandwerker, wir brauchen euch!", rief er den Gesellen zu und ergänzte: "Egal, ob Schreiner oder Zimmerer, es sind beides Berufe mit Zukunft. Ein gescheiter Handwerker kann alles. Und wer sich weiterbildet, wird zur gefragten Fachkraft." Ähnlich sieht dies Elvira Wudy-Engleder, stellvertretende Schulleiterin der Berufsschule in Regen: "Wir konnten im Berufsgrundschuljahr den Grundstein legen. Gesellen, ihr werdet im Handwerk gebraucht."

Die Festredne hielt Karl-Heinz Moser, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. "Ihr alle habt einen tollen Werkstoff gewählt, nämlich Holz", hob Moser hervor. Über das duale Ausbildungssystem in Deutschland fand er nur positive Worte: "Die Welt beneidet uns darum." Wichtig ist Moser, dass es keinen Abschluss ohne Anschluss gibt, es stehen alle Wege offen, beispielsweise den Meister zu machen oder noch ein Studium dranzuhängen.

Beim Thema Digitalisierung stellte Moser die Frage: "Was bedeutet das für das Handwerk?" Die Digitalisierung mache auch vor dem Handwerk nicht Halt. 3D-Laserscans, mit denen Räume millimetergenau vermessen werden können, oder die virtuelle Raumplanung, bei der der Kunde sein künftiges Zuhause durch eine 3D-Brille bereits digital sehen kann, noch bevor die Zimmerer mit der Arbeit begonnen haben. Da scheint die CAD-Technologie (Computergestützte Entwürfe) schon wie ein alter Hut. Seine Rede beendet der Festredner mit einem Zitat von Theodor Storm: "Man muss sein Leben aus dem Holz schnitzen, das man hat, und wenn es krumm und knorrig wäre."

Junggeselle Ludwig Seider sprach im Namen seiner Mitschüler einen Dank an die Lehrkräfte sowie die Lehrherren aus: "Mit viel Mühe und Fleiß seitens aller haben wir die Abschlussprüfung geschafft. Mit unserer Urkunde werden wir immer daran erinnert und können darauf sehr stolz sein."

Der Obermeister der Zimmererinnung, Anton Schiller, führte die eigentliche Freisprechung durch: "Klopfen auf Holz soll ja bekanntlich Glück bringen. Und ein bisschen Glück gehört natürlich zu jeder erfolgreichen Prüfung ", so der Obermeister und 2. Bürgermeister der Gemeinde Kirchberg. "Drei Jahre lang haben Sie die Ärmel hochgekrempelt und etwas Großartiges geleistet. Sie haben einen soliden Handwerksberuf gelernt". Der Gesellenbrief stehe für "Made in Germany" – also für Ausbildungsqualität, technisches Know-how und Praxiserfahrung. "Heute ernten Sie die Früchte ihrer erfolgreichen Arbeit. Darauf können und dürfen sie stolz sein", meinte er.

Traditionell wurden die Junggesellen nach altem Handwerksbrauch vom Lehrling zum Gesellen freigesprochen. Anschließend bekamen die 14 Azubis, davon drei Schreiner und elf Zimmerer, ihren Gesellenbrief.

Autor: Thomas Stangl